Auszeichnung für Nachwuchsforscherinnen beim Potsdam Meeting 2026

Beim 20. Internationalen Retinal Research Colloquium in Potsdam wurden mehrere Nachwuchswissenschaftlerinnen für ihre herausragenden Forschungsarbeiten ausgezeichnet. Die prämierten Beiträge beschäftigen sich mit neuen Ansätzen zur Erforschung und möglichen Behandlung schwerer Netzhauterkrankungen. Grundlage des Berichts ist der offizielle Conference
Report des Meetings.

Gülce Gökce präsentierte ihre Forschung zur Bedeutung des sogenannten Tet3-Gens für die Entwicklung und Funktion der Netzhaut. Mithilfe moderner genetischer Methoden untersucht ihr Team, wie bestimmte Veränderungen in der Genregulation die Entwicklung von Sehzellen beeinflussen. Die Ergebnisse tragen dazu bei, grundlegende Mechanismen der Netzhautentwicklung besser zu verstehen und könnten langfristig neue Ansätze für Therapien neurodegenerativer Erkrankungen eröffnen.

Maria Pavlou stellte Arbeiten zur Transplantation menschlicher Photorezeptoren vor. Ziel dieser Forschung ist es, geschädigte lichtempfindliche Sinneszellen der Netzhaut zu ersetzen. Die Untersuchungen zeigen, dass das Ausmaß einer Netzhautdegeneration entscheidend dafür ist, wie gut transplantierte Zellen überleben und sich in das bestehende Gewebe integrieren können. Solche Erkenntnisse sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu zukünftigen Zelltherapien bei erblichen Netzhauterkrankungen.

Patricia Hoffelner präsentierte ein innovatives Modell sogenannter retinaler Organoide – im Labor gezüchteter Mini-Netzhäute –, um die seltene Niemann-Pick-Erkrankung Typ C besser zu erforschen. Die Arbeiten zeigen, wie sich krankheitsbedingte Veränderungen in Nervenzellen und Stützzellen der Netzhaut entwickeln. Gleichzeitig dienen die Organoide dazu, potenzielle Medikamente unter realitätsnahen Bedingungen zu testen. Damit eröffnet die Forschung neue Möglichkeiten für personalisierte Therapieansätze bei seltenen genetischen Erkrankungen.

Eleonora Carpentiero widmete sich der Sicherheit optogenetischer Therapien. Diese neuen Behandlungsansätze sollen bei schweren Netzhauterkrankungen verbliebene Nervenzellen mithilfe lichtempfindlicher Proteine wieder aktivieren. Ihre Untersuchungen zeigten, dass die eingesetzten mikrobiellen Proteine zwar nur geringe Entzündungsreaktionen auslösen, die Immunantwort der Netzhaut jedoch genau verstanden werden muss, um solche Therapien künftig sicher und wirksam beim Menschen einsetzen zu können.

Die ausgezeichneten Beiträge verdeutlichen die große Bandbreite moderner Netzhautforschung – von Grundlagenforschung über Zelltherapien bis hin zu innovativen gentherapeutischen Ansätzen. Gleichzeitig zeigen sie, wie wichtig internationale Zusammenarbeit und die Förderung junger Wissenschaftlerinnen für die Entwicklung zukünftiger Therapien gegen bislang unheilbare Augenerkrankungen sind.

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